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exhibition

Julian Kyusang Lee – Images at Work.
An essay by Hanar Hupka, curator and cultural study scholar

Für seine erste Einzelausstellung in Berlin in der iros.gallery schafft Julian Kyusang Lee eine kontemplative Installation aus Fotografien und Objekten, die zum Nachdenken darüber einlädt, wie Bilder gemacht, gelesen und erinnert werden. Lees in Schwarz-Weiß gehaltene Fotografien setzen sich aus menschlichen Figuren, geometrischen Formen, Objekten und Symbolen zusammen. Manche Bildelemente wirken vertraut, andere wiederum rätselhaft. Der Künstler löst sie bewusst aus ihrem ursprünglichen Kontext und platziert sie vor einem grauen oder tiefschwarzen Hintergrund, sodass neue Assoziationen und Verbindungen zwischen ihnen entstehen können.

Im Zentrum der Ausstellung steht Lees langjährige Auseinandersetzung mit der Funktion, Interpretation und Übersetzung von Bildern. In einer Zeit, in der Bilder allgegenwärtig sind und sich rasant verbreiten, können sie für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden und unterschiedliche Geschichten und Wirklichkeiten hervorbringen. Aufgrund ihrer Mehrdeutigkeit und Offenheit werden Bilder häufig von Text begleitet, der eine bestimmte Lesart hervorrufen soll. Doch Bilder sind auch mehr als bloße Informationen. Als sinnliche, körperliche Erfahrung hinterlassen sie Eindrücke in uns, die wir mithilfe unseres Wissens und unserer Erinnerungen deuten.

Um diese Mechanismen sichtbar zu machen, rückt Lee Dinge in den Vordergrund, die sonst Rahmen, Hintergrund oder Werkzeug sind, und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das, was häufig übersehen wird. Ein zentrales Element in der Bildsprache des Künstlers ist Chroma Key Green – eine Farbe, die in den 1960er-Jahren für die Greenscreen-Technologie entwickelt wurde. Obwohl Chroma Key Green eine markante Farbe ist, bleibt sie als Projektionsfläche meist unsichtbar. Für Lee versinnbildlicht sie den Versuch, sich an neue Gegebenheiten anzupassen und sich in unterschiedliche Kontexte einzufügen. Weitere wiederkehrende Motive sind Fokustabellen und Kalibrierdiagramme. Solche technischen Hilfsmittel werden von Fotograf*innen verwendet, um den Kamerafokus und die Schärfentiefe einzustellen. In Lees Arbeiten stehen sie metaphorisch für die menschliche Wahrnehmung, die von gesellschaftlichen Normen und äußeren Faktoren geprägt ist.

Lees Sensibilität für die Bedingungen des Sehens ist eng mit seiner eigenen Biografie verbunden. In seiner interdisziplinären Praxis verbindet er Bilder, Objekte und Geschichten aus den verschiedenen Kontexten, in denen er gelebt hat. Geboren in Seoul, Südkorea, zog er als Kind mit seiner Familie nach Kapstadt, Südafrika. Später studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 2024 kehrte Lee nach Seoul zurück, wo er heute lebt. Sein persönlicher Hintergrund ist geprägt von vielfältigen Einflüssen sowie der fortwährenden Suche nach Zugehörigkeit und Formen der Verständigung über kulturelle Unterschiede hinweg.

Aus dieser Suche entsteht eine subtile und poetische Bildsprache, eine Bilderwelt, in der die Zeit stillzustehen scheint. Wir als Besucher*innen sind eingeladen, einzutreten, genau hinzusehen, zu hinterfragen, was wir sehen, und unsere Lesarten miteinander zu teilen.

Ostinato Interstice Rendering, 2024, Giclée print, 120 x 180 cm

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