Kienzle Art Foundation
Erika Krause und Franziska Hufnagel – zeitmatt perplex
Bleibtreustraße 54, 10623 Berlin
exhibition
2025 stellten Franziska Hufnagel und Erika Krause in der Städtischen Galerie Waldkraiburg aus. Es war die erste gemeinsame Ausstellung. In dem hierzu herausgegebenen Magazin Hula Hoop beginnt Clemens Krümmel seinen darin enthaltenen umfangreichen Text mit den Worten:
Mindestens eine Ebene gibt es, auf der die beiden malerischen Ansätze von Franziska Hufnagel und Erika Krause bei all ihren augenfälligen Eigenheiten miteinander kommunizieren – sie stellen ihr Publikum bei der Betrachtung ihrer Bilder vor ungewöhnliche Herausforderungen. Denn sie sind weniger (oder mehr) „Bilder“, als die meisten es bei abstrakter Malerei erwarten würden, und sie fordern dazu auf, sich rückhaltlos auf ihre Strukturen und Eigenschaften einzulassen, was durchaus zu Irritationen, zu Benommenheit oder zur Ablösung von der direkten Umgebung führen kann.
(Clemens Krümmel, 2025)
Nun treffen die beiden Künstlerinnen – Malereipositionen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, wieder zusammen und zeigen unter dem Titel zeitmatt perplex eine Ausstellung in der Kienzle Art Foundation Berlin.
Beide Ansätze sind experimentell und werden ohne vorherige, genauere Vorstellung aus dem Prozess heraus entwickelt, jedoch aus zwei diametral entgegengesetzten Richtungen.
Die Arbeiten von Franziska Hufnagel scheinen besonders unruhig vorangetrieben zu sein. Jedes Bild beinhaltet eine andere Herausforderung. Das Farbmaterial bekommt eine haptische Qualität und das einzelne Bild konstituiert sich geradezu als Performance – nicht zuletzt deshalb, weil sowohl Bildoberfläche als auch Schriftoberfläche immer wieder neu erweitert, ergänzt und übermalt wird.
Dieses ständige Hinzufügen, Ausbremsen, Entfernen und Verändern bestimmt auch die Arbeiten von Erika Krause. Wie der Ursprung von Sprache der Laut ist, ist hier die Linie in rudimentärer Verkürzung Ausgang von Formansätzen und Schriftähnlichem. Die Setzungen erscheinen als Markierungen, Zeichen und Kürzel schwebend auf den lasierten Oberflächen. Im Gegensatz zu dem oben genannten Tempo scheint es hier eine Bewegung zu sein, die zugleich stillsteht.
Beiden Arbeitsprozessen – die sich mal im bewussten Entleeren, mal im überbordenden Anfüllen wiederfinden – ist das Thema „Zeit“ eingeschrieben.
Bei Erika Krause ist es die Zeit, die zwischen den einzelnen, sparsamen Gesten liegt und die anwächst, je länger man vor ihren Bildern verweilt. Bei Franziska Hufnagel entsteht eine ähnliche Ausdehnung der Zeit durch mehrfache Übermalungen und Durchstreichungen und nicht enden wollender Schrift im Bild.
Die Diskrepanz zwischen den beiden Bildvorstellungen macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus, sie bietet einen höchst disparaten Erfahrungsraum, ein subtiles Ping Pong mit Humor und Schärfe.
Kienzle Art Foundation, Berlin 2026

Franziska Hufnagel, Ohne Titel, 190 x 140 cm, Öl, Acryl auf Leinwand, 2025/26
Startseite: Erika Krause, Ohne Titel, 2026, Tusche, Wachspastell und Acryl auf Leinwand 250 x 180 cm